Geschichte

Hier finden Sie die Geschichte des Gymnasiums.


1900-1907 , 1907-1933 , 1933-1945 , 1945-1946 , 1946-1958 , 1958-1960 , 1960-1972 , 1972-1989 , 1989 , 1989-1991 , 1991-1993 , 1993 , 1993-1995

Brandis braucht eine neue Schule

Klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern !

Um die Jahrhundertwende wurde die Schulraumnot immer prekärer. In den beiden alten Schulgebäuden standen 1905 für 715 Schüler, die von 10 Lehrkräften und einer Nadelarbeitslehrerin unterrichtet worden, insgesamt 8 Klassenräume zur Verfügung. Es gab kein Lehrerzimmer, so daß die Lehrer wie auch die Schüler die Pausen auf den Gängen oder dem Kirchhof verbringen mußten. Diese unzumutbaren Zustände waren oft auf der Tagesordnung des Schulvorstandes und des Stadtgemeinderates. In heißen Diskussionen, die einhergingen mit Grundstücksspekulationen, Wahlpropaganda und Bürgerinitiativen, wurde letztendlich am 27. März 1904 das Areal des Schlegeschen Planes an der Südseite der neuen Straße (heute Schulstraße) als neuer Schulstandort festgelegt. Nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Berthold begann man noch 1905 mit dem Schulneubau. Das Baugelände war ohne gründliche Bodenuntersuchungen ausgewählt worden. Das rächte sich mit hohen Aufwendungen - ein Fünftel der Gesamtkosten - bei den Fundametierungsarbeiten wegen Treibsand. Ende 1906 war das Schulgebäude fertig, für Brandis allerdings zu prunkvoll. Der gewaltige Schulboden verteuerte den Bau auf eine viertel Million Mark, so daß sich die Stadtväter nur durch eine Steuererhöhung in den Folgejahren aus der Affäre ziehen konnten.
Am 7. Januar 1907 fand die feierliche Einweihung des schönen Schulgebäudes statt, das für viele Jahre die Raumbedürfnisse befriedigen sollte. Am 8. Januar 1907 begann der planmäßige Unterricht mit 15 Klassen und 696 Schülern, die in 309 Wochenstunden unterrichtet wurden. Da Schuldirektor Rülke kurz darauf verstarb, übernahm ab 1. Juli 1908 Max Berndt die Leitung der Schule. In seine Amtszeit fielen die schweren Jahre des Ersten Weltkrieges. Ein großer Teil der Lehrerschaft war zum Kriegsdienst einberufen, so daß nur durch Überstunden und Hilfskräfte der Unterricht aufrecht erhalten werden konnte. Doch Brandis hatte das seltene Glück, daß alle kriegsteilnehmenden Lehrer in die Heimat und ins Amt zurückkehren konnten. In der Nachkriegszeit wurde durch die Gesetzgebung die Klassenstärke herabgesetzt, und auch Hilfschulklassen wurden eingerichtet. Somit mußten weitere Lehrer eingestellt werden, da sich die Anzahl der Klassen erhöhte. Im Jahr 1938 unterrichten 19 Lehrer genau 700 Schüler in 22 Klassen. Der Schulleiter, der sich jetzt Rektor nannte, war bis 1941 Georg Steinbach. Er hatte sein Amt seit 1922 inne.
Seit 1933 war die Schule als Institution vollkommen zu einem Werkzeug der "Neuordnung aller Dinge" geworben, die die Kraft des Volkes zu einem einzigen politischen Willen, in einer einzigen Weltanschauung zusammenfaßte. Die gesamte Erziehung mußte in dieser Zeit dem genannten Prinzip untergeordnet werden. Die Lehrkräfte, ob sie wollten oder nicht, mußten sich der damals geltenden Weltanschauung und der politischen Macht beugen, um nicht ihre Stelle zu verlieren. Mit Überzeugung arbeitete damals wohl selten ein Lehrer im politischen Fahrwasser der NSDAP. Man wurde zum Heucheln getrieben.

Brandiser Schule nach 1945

Einer Mitteilung vom 28. September 1945 ist zu entnehmen, daß die Aufnahme der Schulanfänger am Montag, dem 1.Oktober 1945, im Schulsaal der Brandiser Volksschule statt fand. Für alle anderen Schüler der ehemaligen Klassen 1 bis 7 begann nach wochenlanger Pause am nächsten Tag der Unterricht. Als Schulleiter wurde der ehemalige Beuchaer Lehrer Otto Thiele eingesetzt. Die Volksschule hieß jetzt Grundschule. Alle bisherigen Brandiser Lehrer wurden aufgrund ihrer Nähe zur NSDAP entlassen. Deshalb stellte man sogenannte Neulehrer ein. Sie hatten meist keine Vorbildung zum Lehrerberuf und kamen aus verschiedenen Berufen. Durch Kurse und Selbststudium qualifizierten sie sich zum Lehrer. Oft waren sie in ihrer Unterrichtsvorbereitung gerade mal eine Schulbuchseite ihren Schülern voraus. Abiturienten und solche, die einen einjährigen Ausbildungslehrgang hinter sich hatten, füllten die Reihen der Lehrkräfte.
Am 1. September 1946 bestand der Lehrkörper aus 27 Lehrern, die in 26 Klassen 855 Schüler unterrichteten. Ihnen standen für die Lehrtätigkeit insgesamt 11 voll ausgestattete Unterrichtsräume mit 570 Sitzplätzen zur Verfügung. Da ein Teil des Schulgebäudes durch die Berufsschule und sowjetische Kommandantur (Schneiderstube, Schuhmacherwerkstatt) belegt wurde, konnte der Schulbetrieb nur durch Vormittags- und Nachmittagsunterricht garantiert werden. Für Sport und die Fremdsprache Russisch gab es speziell ausgebildete Lehrkräfte, während alle anderen Fächer je nach Bedarf jeder Lehrer erteilen mußte. Damit die Schüler nicht durch knurrende Mägen vom Lernen abgehalten wurden, erhielten sie dreimal pro Woche ein 100-Gramm-Brötchen. Nach dem 10. November 1947 verteilte man täglich ein Brötchen zu 50 Gramm. Am 13 Dezember 1947 beschloß der Bürgermeister Ziermaier, den Sportplatz Jahnhöhe in Kleingartenparzellen aufzuteilen, die den Lehrern zur Nutzung überlassen wurden. 1951 übernahm Friedrich Leimbach die Schulleitung, bis ein Jahr später Jürgen Pauly an die Brandiser Grundschule als Direktor berufen wurde. Im gleichen Jahr wurde eine Hilfsschulklasse in der Brandiser Schule eingerichtet. Diese erhielt kurz darauf eine eigene Heimstatt auf dem Schützenplatz. Am 1. September wurde in der Brandiser Schule eine Oberschulklasse eingerichtet um Schülern aus Brandis, Machern, Beucha, Polenz und Gerichshain zu ermöglichen, das Abitur abzulegen. Die Entwicklung zur Oberschule konnte aus ökonomischen Gründen und wegen zu geringer Schülerzahl nur bis zum Abschluß der 10. Klasse weitergeführt werden. Außerdem besuchten ab 1954 die Polenzer Schüler, ab 5. Klasse, die Brandiser Grundschule. Später (ab 1971) übernahm man auch noch die Klassen 1 bis 4 von Polenz. Durch Einführung der zehnjährigen Schulbildung wurde die Grundschule in Brandis ab 1955 zu einer Mittelschule ausgebaut. Somit konnten die Schüler nun die mittlere Reife erlangen. Im Schuljahr 1957 / 58 führte man probeweise den Unterricht in der Produktion und Landwirtschaft ein. In den folgenden Schuljahren waren die Schüler nun einige Stunden in der Landwirtschaft oder Industrie tätig.
Mit zunehmender Klassenzahl wurde die Raumnot an der Schule immer prekärer. So beschloß man einen Erweiterungsbau in Barackenform. Dieser entstand 1958 zwischen Schulgebäude und Turnhalle. In vielen freiwilligen Aufbaustunden - geleistet von Eltern, Schülern und Lehrern - wurden bei einem Baukostenaufwand von über 50.000 M vier Klassenräume für die Unterstufe geschaffen. Diese konnten Ende 1959 in Besitz genommen werden. Kurz zuvor, am 2. Dezember, war in der Volkskammer der DDR ein Gesetz verabschiedet worden, das landesweit die Umwandlung der Grund- und Mittelschule in eine zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule vorsah. Das bedeutete für alle Schüler in der Regel die Schule bis zur 10. Klasse zu besuchen. Der polytechnische Unterricht wurde ausgebaut und das Unterrichtsfach "Einführung in der sozialistische Produktion (ESP)" eingeführt. Im damaligen Silikatwerk entstand 1960 unter Leitung des Schuldirektors Jürgen Pauly ein weithin vorbildlich eingerichtetes Kabinett. Damit war die technische Ausbildung ab Klasse 7 gewährleistet. Ebenfalls neu eingeführt wurde ab Klasse 7 das Fach "Englisch" als zweite Fremdsprache im fakultativen Unterricht.
Mit dem obligatorischen 10 Schuljahren der "Einheitsschule" stieg die Anzahl der Schüler und Klassen, so daß - vor allem sonnabends wenn kein polytechnischer Unterricht stattfand - Raumnot herrschte. Nachmittagsunterricht sowie Unterricht im Kulturhaus und Schulhort waren an der Tagesordnung. Erst ein Schulhausneubau auf dem Gelände des Schulgartens an der Bahnhofsstraße ( neben den Postgebäude ) schaffte Abhilfe. Dieses Schulhaus (zur Zeit noch Mittelschule, ab dem Schuljahr 1999 / 2000 als 2. Schulgebäude des Gymnasiums) mit 14 Unterrichtsräumen, darunter Fachkabinette für Physik, Chemie, Biologie, Musik und Werken, nahmen die Schüler der 5. bis 10. Klasse ab September 1978 in Besitz. Im "alten" Schulgebäude lernten weiterhin die Schüler der Unterstufe von Klasse 1 bis 4. Durch den Neubau wurden die 1958 als Baracke neben dem Schulhaus errichteten vier Klassenräume überflüssig. Sie wurden zu einem großen Speiseraum umfunktioniert.
1972 übernahm Gerhard Ludwig aus Beucha die Leitung der Albert - Kuntz -Oberschule in Brandis, bis 1974 Ursula Pertzsch als Direktorin eingesetzt wurde. Sie leitete die Schule bis 1990.

Für die Schule kam die Wende !

Und danach? Plötzlich war ab November 1989 alles anders! Viele Eltern entschuldigten ihre Kinder für ein oder auch zwei Tage vom Unterricht wegen eines "Krankheitsvirus" namens Reisefieber in die BRD oder nach Westberlin. Jeder wollte die Reisemöglichkeit natürlich nutzen. Ende November wurde deshalb vom Bezirksschulrat der arbeitsfreie Sonnabend für Schüler und Lehrer eingeführt. Da diese Regelung bis Ende des Schuljahres blieb mußten Stundentafel und Stundenplan geändert werden.
Die Brandiser Lehrer reisten - wie alle anderen auch - in die alten Länder der BRD, um zu hospitieren, Erfahrungen auszutauschen und andere Unterrichtsmethoden kennenzulernen. Viel Neues wurde im eigenen Unterricht ausprobiert, für gut befunden oder wieder verworfen. So entstand ein reger Austausch und Kontakt zwischen der Oberschule Brandis und Schulen aus Hohenhameln. Am Ende des Schuljahres 1989 / 1990 wurden erstmals in der DDR Schulleiterstellen für das neue Schuljahr öffentlich ausgeschrieben. An dieser Schule erhielt der Brandiser Geschichts- und Sportlehrer Bernd Richter den Zuschlag. Unter seiner Leitung wurden Schülergruppen mit BRD - Schulen ausgetauscht. Ein großes Ereignis war der Besuch von 20 Schülern aus North Odgen (Utah, USA) vom 17. bis 20. Juni 1991. Mit dem neuem Schuljahr änderte sich nicht nur der Name - aus Oberschule Albert Kuntz wurde Oberschule Brandis - sondern auch Lehrplaninhalte, Schulbücher und einige Unterrichtsfächer. Auf die Disziplinen "Staatsbürgerkunde" und "ESP" verzichtete man. Das Fach Englisch wurde in Klassenstufe 5 zur 1. Fremdsprache, und in den anderen Klassen können sich die Schüler zwischen Russisch und Englisch entscheiden oder beide Fremdsprachen lernen. Manche wählten Französisch als 2. Fremdsprache.

Das Gymnasium Brandis

Am 3. Juli 1991 verabschiedeten die Abgeordneten des Landtages das Schulgesetz für den Freistaat Sachsen. Nach diesem Gesetz untergliedert sich ab August 1992 das Schulwesen in Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien. Mit diesem neuen dreigliedrigen Schulsystem machten sich neue Gymnasien im Landkreis erforderlich. Die Entscheidung um anstehende Standortgenehmigung für ein Gymnasium , um die sich auch die Gemeinde Machern bewarb, fiel zugunsten der Stadt Brandis. Das Gymnasium fand sein Domizil im altehrwürdigen Schulgebäude, das dafür vom Keller bis zum Dachboden renoviert und auf den neusten Stand gebracht wurde. Als Außenstellenleiterin fungierte Edeltraud Rost.

Der 2. Abiturjahrgang

1993 verlagerte sich die Bautätigkeit im Schulbereich auf den Schulhof und in die Turnhalle. Der von stattlichen Kastanien gesäumte Pausenhof wurde in eine Kleinsportanlage mit Kunstbelag umgewandelt. Die Turnhalle war nach der Rekonstruktion nicht wiederzuerkennen. Beide Anlage wurden 1994 dem Schulsport übergeben.
Zu dem von Brandis vorgeschlagenen Schulträgerverbund mit den Nachbargemeinden ist es leider nicht gekommen, so daß die Stadt die Hauptlast der schulischen Umstrukturierung im westlichen Muldentalkreis (damals noch ohne Borsdorf und Panitsch) tragen mußte. Mit der Verselbstständigung des Gymnasiums im August 1995 und dem damit verbunden Schulbesuch bis zur 12. Klasse reichten in Brandis die Unterrichtsräume nicht mehr aus, und "behelfsmäßige" Klassenzimmer mußten auf dem Schulhof der Mittelschule aufgestellt werden. Die Notlösung mit der Außenstelle und den Raummodulen sind nur durch einen Schulhausneubau für eine dreizügige Mittelschule in Brandis zu beseitigen. 1995 wurden die planerische Vorbereitung für den neuen Schulkomplex mit Mehrzweckhalle und Freizeiteinrichtungen abge- schlossen und in die mittelfristige Investionsplanung im Stadthaushalt eingestellt.

Nach oben